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BayWa Gelände wird Zuhause für Landtechnik-Startup vom Campus

Moderne Erntetechnologien werden ab sofort auf dem bisher leerstehenden BayWa Gelände entwickelt

Der 25-jährige Philipp Flierl begeistert sich schon seit seiner Kindheit für Landtechnik. Vor allem Mähdrescher haben sein Interesse geweckt. Seine Leidenschaft machte er nun zum Beruf: Nach dem Maschinenbau-Studium bekam er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Technologie Campus Parsberg-Lupburg und arbeitet nun seit März im Projekt-Team von KIdetect, in dem es um die Identifikation von Unkräutern auf landwirtschaftlichen Flächen mittels künstlicher Intelligenz geht. Zeitgleich arbeitet er mit einem eigenen Startup an einer neuen Erntetechnologie für Hanf, dem „Hempinator“. Mitte Mai zog das junge Startup zusammen mit seiner Erfindung auf das großzügige BayWa Gelände in Parsberg um. „Es hat sich schon immer bewährt ‚Altes‘ mit etwas ‚Neuem und vor allem Innovativem‘ zu verbinden: In diesem Fall geben wir Gründern den Raum, um ihre Ideen groß zu denken“, erklärt Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer. „Es freut uns, wenn Startups bei uns in der Region ein Zuhause finden.“

Hanfernte neu gedacht

Ziel der neuen Hanfernte-Technologie ist eine nachhaltige Veränderung der Landwirtschaft. Zum einen soll durch das neue Ernteverfahren die Fruchtfolge aufgeweitet werden und insbesondere Nutzhanf in den Ackerbau integriert werden. Ein weiterer Aspekt ist die Effizienzsteigerung im Bereich Getreidedrusch. „Diese Effizienzsteigerung ist zwingend nötig, um Mähdrescher auf die Zukunft der Autonomisierung vorzubereiten.“, erläutert Philipp Flierl. Zu der Idee kam Flierl über sein Studium. In seiner Bachelorarbeit wollte er sich mit der Optimierung bestehender Mähdrescher auseinandersetzen. „Ohne Expertenhilfe war das allerdings nicht möglich. Mein betreuender Professor machte mich damals auf das britische Unternehmen Shelbourne Reynolds Engineering aufmerksam“, so der Gründer. Dort entwickelte man eine Maschine, die bei der Ernte nicht die gesamte Pflanze abschneidet, sondern lediglich die Ähren. „Diese Maschine ist bislang nicht für den europäischen Markt geeignet, da das Konzept sich vor allem auf das Ernten von Weizen konzentriert. In Europa werden aber auch andere Nutzpflanzen wie Raps angebaut, welcher durch das bestehende Verfahren nicht geerntet werden kann. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das Verfahren als Basis für unsere eigene Erfindung zu nutzen und anhand unserer Bedürfnisse weiterzuentwickeln“, erklärt Philipp Flierl. Anfangs fokussierte sich das Konzept eher auf das Ernten aller Getreide- und Pflanzenarten des europäischen Marktes; im Laufe der Zeit spezialisierte man sich auf das Ernten von Hanf. Der „Hempinator“ kämmt dabei die Blüten beim Erntevorgang von den Stängeln, wodurch die Samen der Blüten herausfallen. Das Ergebnis unterscheidet sich grundlegend von Auswertungen bereits existierender Verfahren: Die Ernte ist qualitativ äußerst hochwertig und ergiebig.

Natürlich gab es Herausforderungen bei der Umsetzung von der Idee auf dem Papier zur Konstruktion der Maschine - doch für Philipp Flierl ist der aktuelle Stand bereits ein riesiger Erfolg. Im Moment nutzt er jede freie Zeit zur Weiterentwicklung seiner Erntemaschine. „Unser Ziel für dieses Jahr ist es, die Maschine zum Einsatz zu bringen und so das Fundament für die Verbesserung der technischen Probleme zu legen. Im besten Fall soll der ‚Hempinator‘ nächstes Jahr schon funktionsfähig sein und zum Verkauf angeboten werden“, so Philipp Flierl. Kleinere Erfolge konnte das Startup bereits erreichen: Bei verschiedenen Wettbewerben wurde er mit seiner Idee unter den besten platziert. Auch Anton Schmailzl, operativer Leiter des Technologie Campus Parsberg-Lupburg freut sich über die Entwicklung: „Der Campus und das Gründerzentrum unterstützen innovative Köpfe und ihre Ideen mit einem starken Netzwerk, Beratungs-, Infrastruktur- und Fördermöglichkeiten. Es ist ein Zugewinn für die gesamte Region, wenn wir Gründer-Persönlichkeiten hier halten und weiter fördern.“

3D Modell zur Ansicht der Hanferntemaschine „Hempinator“ unter hempinator.de

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