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Burg und Schloss Parsberg

Vom Vasallen zur Reichsunmittelbarkeit des Parsberger Geschlechts

Schon von weitem zieht die geschlossene Burganlage den Blick auf sich:

  • die an den Berghang sich anschmiegende "Untere Burg"
  • die "Obere Burg" mit dem harmonischen Renaissanceturmpaar
  • und der zerstörte romanische Bergfried über dem Dolomitfelsen

Kein Geringerer als der bekannte bayerische Schriftsteller Josef Hofmiller (1872 - 1933) war von der monumentalen Wirkung so begeistert, das er die Burg bzw. das Schloss Parsberg zu den drei mächtigen Burgkomplexen zählte, die auf ihn einen nachhaltigen Eindruck ausübten:

  • die Veste Salzburg
  • eine Burg in Tirol
  • und die Burg Parsberg

Burg und Schloss Parsberg aus der Luft

Die Anfänge der Burg und damit des Ortes Parsberg liegen im Dunkeln. Zwar weisen viele bedeutende Funde - wie z. B. die berühmte "Parsberger Maskenfibel", ausgestellt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg - auf prähistorische Besiedlung dieses Raumes hin, doch die erste, urkundlich gesicherte Namensnennung ist mit dem Jahr 1205 und mit dem markanten Bayernherzog Ludwig dem Kehlheimer (gestorben 1231) aus dem Hause Wittelsbach verbunden.

In der Urkunde von 1205 wird erwähnt, dass Ludwig d. Kelheimer dem Bischof von Regensburg - falls er ohne Erben sterben sollte, Parsberg als Besitz übereigne. Als seine Frau Ludmilla (sie brachte als Witwe des Grafen von Bogen die Rauten ins bayerische Wappen mit) ihm einen Sohn schenkte, blieb Parsberg weiterhin unter wittelsbachischer Herrschaft.

Die Burg Parsberg als beherrschendes Bauwerk auf der Jurakuppe war bis zum Aussterben der Parsberger Ritter 1730) stets auch das Symbol für Streben nach Freiheit, Selbständigkeit und Verteidigung der von Kaiser Ludwig d. Bayern (gest. 1347) zugestandenen Reichsunmittelbarkeit.

Diese Reichsunmittelbarkeit erwarben sie sich in zähem Ringen gegen die Wittelsbacher "Lehensherren". Zuerst waren sie nämlich einfache "Dienstleute" (Vasallen), sog. Ministerialen, die sich im Laufe der Zeit emporarbeiteten in den niederen Adel, Besitz und Hoheitsrechte erlangten und schließlich bis zur Reichsunmittelbarkeit (sie unterstanden nur dem Kaiser) aufstiegen. Bei der Verteidigung der Reichsunmittelbarkeit verausgabte sich das Parsberger Geschlecht nicht nur finanziell und materiell, sondern es ging auch genealogisch "zugrunde".

Im Laufe seiner Geschichte brachte das Rittergeschlecht hervorragende Persönlichkeiten hervor. Um Macht, Ansehen und auch Reichtum zu gewinnen, stellten die Ritter ihre Fähigkeiten und Ambitionen u. a. in den Dienst der mächtigen Reichsstädte Nürnberg und Regensburg oder der Fürstbistümer Regensburg und Eichstätt. Dabei gelangten sie in führende Positionen. Exemplarisch dafür seien genannt:

  • Ritter Haug, Schultheiß in Nürnberg (1547 - 1554), der als erfahrener Obrist auch am Türkenkrieg teilnahm und die Stadt Wien mit verteidigte
  • Friedrich II., Bischof von Regensburg (1439 - 1449), unter dessen Episkopat 1444 die Pfarrei Parsberg gegründet wurde.

Als 1730 das Parsberger Geschlecht erlosch, erwarben die Reichsgrafen v. Schönborn die Reichsherrschaft Parsberg. Der bayerische Kurfürst Karl Theodor meldete ebenfalls Besitzansprüche an und kaufte für 400.000 fl 1792 den Schönborns Parsberg ab. Im Auf und Ab der Geschichte Parsbergs thronte stets die Burg als dominantes Gebäude über dem Ort. Sie ist es, die dem Ort seine Identität verleiht. Das in der Burg untergebrachte und vom bayerischen Staat geförderte Museum mit überregionalem und pilothaftem Charakter dient vornehmlich auch dieser Zielsetzung und will mit der Burg als kultureller Mittelpunkt sich der Vergangenheit stellen und dadurch auch Zukunft gewinnen, denn: Zukunft verlangt Herkunft.

(In Auszügen von Helmut Jobst)