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Das heimische Handwerk nimmt einen respektablen Platz im Burg-Museum ein. In erster Linie geht es dabei um die Darstellung von Arbeitstechniken und Arbeitsabläufen, z.B. die Entstehung des Rades. Verständlich und übersichtlich werden Herkunft, Bedeutung und Gebrauch der ausgestellten Gegenstände sowie deren Einbettung in den sozioökonomischen Zusammenhang diskutiert.
Von der Gewinnung eines Fadens bis hin zur getragenen Tracht dokumentiert der Bereich Textil die Herstellung von Stoff sowie dessen Färbung und Verzierung mittels des Blaudruckverfahrens. Hier werden auch Themen wie Handarbeitstechniken und Wäschepflege aufgegriffen. Den Höhepunkt dieser Abteilung bildet jedoch die an einer Gruppe lebensgroßer Figuren vorgeführte (Trachten-) Kleidung mit den dazugehörigen Accessoires für Frau und Mann.
Den religiösen Lebens- und Jahreslauf berücksichtigend, stellt die Abteilung Religion, neben Christus selbst, Themen wie die Sakramente der katholischen Kirche, Liturgie und Alltagsfrömmigkeit in den Mittelpunkt der Betrachtung. Des weiteren wird die Rolle des Dorfpfarrers näher beleuchtet, der nicht nur die Funktion eines kirchlichen Seelsorgers inne hatte, sondern der als Lokalschulinspektor auch Staatsdiener war, den Abschluss bilden in einer Art Sakristeisituation die Darstellung liturgischer Geräte und Gewänder.
Eine Stuben- und Küchensituation sowie eine Schlafkammer verdeutlichen das bäuerliche Wohnen, wie es früher in Parsberg und im Westjura üblich war. Zwei weitere Räume der Abteilung Wohnen sind den parsberger Malern Otto Bachmaier, Sigmund Spitzner sen. und Walter Scheidemantel gewidmet. Sie zeigen, wie Künstler Arbeitswelt und Landschaft in der Region sahen. ZEITGESCHICHTLICHE AbteilungIm Gegensatz zur volkskundlichen Sammlung im ersten Stockwerk des Burg-Museums hat die Ausstellung im zweiten Obergeschoss ihren Schwerpunkt im Historischen. Bemerkenswert an der Themenaufbereitung ist, dass parallel zur allgemeinen Entwicklung des Deutschen Reiches, die vor dem Hintergrund der Weltgeschichte betrachtet wird, die historischen Ereignisse besonders unter regionalem Gesichtspunkt aufbereitet und dargestellt werden.
Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund finden sich Darstellungen über die Ziele Bismarcks, seine wegweisende staatliche Sozialpolitik (1883 Einführung der Krankenversicherung etc.) und seine Außenpolitik. Nach Bismarcks Entlassung wird Kaiser Wilhelms neuer Kurs in Richtung Imperialismus aufgezeigt. Erster Weltkrieg 1914 - 1918 Auf der Seite der Seite der Reichsgeschichte gibt es eine Einführung zu den Ursachen des Krieges, der Kriegsbegeisterung der Bevölkerung, den Kriegsverlauf und eine Sammlung von Militaria. Durch die Dokumentation des Schicksals von Peter Utz erhält die Darstellung auf der regionalen Seite eine sehr persönliche Note. Der Velburger diente an der französischen Front und korrespondierte per Feldpost täglich mit seiner Frau und den zwei Kindern. Den Kindern vermittelte er häppchenweise altersgemäßes Bildungsgut, z.B. gab er einen Fernkurs in Rechnen. 1917 wurde er verletzt und starb später im Lazarett. Die Sammlung von mehreren tausend Briefen, Bildpostkarten, Zeichnungen, Fotos usw. wurde themenbezogen aufbereitet und zusammen mit alltäglichen Gegenständen und seinem Grabkreuz ausgestellt. Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
Weimarer Republik ab 1919 Auf Reichsebene wird der Zusammenbruch des Kaiserreichs gezeigt. Ab November 1918 regierte der Rat der Volksbeauftragten unter Friedrich Ebert, der Reformen einleitete und die Weichen zur parlamentarischen Demokratie stellte. Im Juli 1919 wurde die Weimarer Verfassung verabschiedet. Themen sind auch die Krisenjahre und die „Hitlerbewegung“ samt NS-Ideologien und Putsch. Im regionalen Teil steht die Not der Bevölkerung im Mittelpunkt. Überall herrschten Inflation und Arbeitslosigkeit. Als sich die Lage 1924 dank Währungsreform und billiger Auslandskredite stabilisierte, sprach man von den „Goldenen Zwanzigern“.
Zum Zusammenbruch der Weimarer Republik, in dessen Gegenzug die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) zur Massenpartei wurde, findet sich auf der Reichsseite eine Wandzeitung mit Hitlers Geldgebern und Förderern (z.B. dem neumarkter Dietrich Eckart), und seinen gewaltbereiten Helfern SA, SS und NSKK (Kraftfahrerkorps).
Eine zweite Wandzeitung auf regionaler Seite zeigt die Ausbreitung der NSDAP in der Region Neumarkt, Parsberg, Regensburg. Die Entwicklung ging von der Gaugeschäftsstelle Erbendorf/Schwandorf und der Ortsgruppe Regensburg aus. Josef Albrecht von der 1929 gegründeten Ortsgruppe Beratzhausen sorgte für die weitere Ausbreitung in der Region. "Drittes Reich" 1933 - 1945 Zur Raumverteilung: erst werden Reichs- und Regionalgeschichte von 1933 bis 1939 gegenübergestellt, dann folgen fünf Räume mit Spezialthemen und schließlich der Zweite Weltkrieg. Den Grundstock der Parsberger Ausstellung bildet die umfassende Sammlung des Zeitzeugen Friedrich Spörer aus Hohenburg.
Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. In den folgenden 18 Monaten eroberte er sich Schritt für Schritt die Macht, indem er die wichtigsten Bereiche der Weisung seiner Regierung unterstellte (Gleichschaltung): Parteien, Presse, Verwaltung, Justiz, Polizei, Reichswehr etc. Hitlers Ideologie manifestierte sich in seinem Buch "Mein Kampf" und basiert auf Gedanken und Traditionen, die schon lange vor ihm existierten: Nationalismus, Militarismus, Rassenlehre, Mentalität des blinden Gehorsams, Totalität. Hitler bündelte sie und steigerte sie ins Maßlose, Millionen Menschen mussten sterben. Dargestellt sind Bereiche, berufliche wie private, in die sich der NS-Staat maßgeblich einmischte und das Führerprinzip einführte:
Hitler machte Deutschland zum totalitären Staat, zu Großdeutschland und bereitete den Krieg vor.<//font> Im "Dritten Reich": Gleichgeschaltete Medien Zu den gleichgeschalteten Medien zählten das Film-, Bild-, Rundfunk- und Pressewesen. Jede freie Meinungsäußerung wurde unterbunden.
Die NS-Propaganda verwendet heroisch wirkendes Ton- und Bildmaterial, besonders von inszenierten Massenveranstaltungen. Die Nationalsozialisten schufen ein flächendeckendes Film- und Bildstellenwesen und verpflichteten Schulen und verschiedene Organisationen dazu, bestimmte Propaganda-Filme und –Bilder zu zeigen. In der Ausstellung befinden sich viele Exponate der Kreisbildstelle Parsberg (ehemalige Bezirkslichtbildstelle). Im "Dritten Reich": Verführung der Jugend In der Zeit des Nationalsozialismus beherrschte Indoktrination das gesamte Bildungswesen, angefangen vom Kindergarten über die allgemeinbildenden Schulen (Zeitzeuge Friedrich Spörer) bis zur Universität: Dauerthemen: "Rassenlehre", Antisemitismus, Geschichte als stetiger Kampf der Völker ("Lebensraum"), Militarisierung der Jugend, Nationalstolz, absoluter Gehorsam, Anti-Individualismus ("Du bist nichts, dein Volk ist alles") etc. Nach dem Motto "Gute Turner werden gute Soldaten" wurde auch der Bereich Sport dazu missbraucht, Jugendliche zu Kampfmaschinen zu erziehen.
Die 1926 gegründete NS-Jugendorganisation Hitlerjugend (HJ) wurde 1936 mit dem Bund deutscher Mädel (BDM) zur Staats-Jugend erklärt. Der NS-Staat hatte zum Ziel, die Jugend dem familiären Einfluss völlig zu entziehen. "Im Dritten Reich": Reichsarbeitsdienst, Wehrmacht Der 1935 eingeführte Reichsarbeitsdienst (RAD) verpflichtete Jugendliche ab 18 Jahren zu einem halben Jahr fast unentgeltlichen Dienst in land-, Forst- oder Hauswirtschaft. Reichsarbeitsführer war der gebürtige Parsberger Konstantin Hierl (Abbildung unten).
Zeitzeugin und Wahlparsbergerin Maria Breindl berichtete über ihre Zeit im Arbeitsdienstlager Parsberg, veranschaulicht durch ihr Fotoalbum und persönliche Gegenstände. Zeitzeuge Herbert Mayerhöfer aus Parsberg stellte sein "Erinnerungsbuch" zur Verfügung.
Im Krieg ab 1939 dienten RAD-Einheiten direkt hinter der Front als Bautruppe der Wehrmacht. Weitere Themen des Raums sind: Wehrmacht (ab 1935 allgemeine Wehrpflicht), der Ausbau des Gaus "Bayerische Ostmark" als Bollwerk gegen den Osten und der Bau des Truppenübungsplatzes Hohenfels. Im "Dritten Reich": NS-"Sozialsystem" Das "Sozialsystem" der Nationalsozialisten basierte auf Rassismus, war also selektiv und unsozial. Die angepriesenen Vorzüge konnte grundsätzlich nicht genießen, wer als Feind des NS-Menschenbildes galt: politische Gegner, Juden, Freimaurer, Andersdenkende, Sinti, Roma, sozial Schwache, so genannte Erbkranke. Als Einzelbereiche des "Sozialsystems" werden vorgestellt:
Das Winterhilfswerk (WHW) existierte schon in der Weimarer Republik. Die Nationalsozialisten führten es weiter fort und nutzten es für sich propagandistisch aus. Das WHW war eine staatliche Maßnahme, die über den Apparat der Parteiorganisation NSV (= NS-Volkswirtschaft) abgewickelt wurde. Die bis 1944 in jedem Winter millionenfach verkauften Abzeichen brachten beträchtliche Summen Geld. Die Ausstellung zeigt eine fast vollständige Sammlung der reichsweit und regional verkauften Abzeichen. Im "Dritten Reich": Zwei Realitäten - dem NS-Feierjahr stand gleichzeitig die Verfolgung, Misshandlung und Tötung Missliebiger gegenüber Um die Bevölkerung in allen beruflichen und privaten Bereichen zu beherrschen, trat die NSDAP in Konkurrenz zu allen weltlichen und kirchlichen Organisationen und deren Kult- und Feierformen. Sie unterlief Feierlichkeiten, imitierte sie, deutete sie um und ersetzte sie. Dargestellt sind verschiedene Tage im Verlauf des Jahres, vom "Tag der Machtübernahme" am 30. Januar bis zur Wintersonnenwende bzw. zum Julfest im Dezember.
Bei allen lokalen Feiern wurde die Teilnahme sowohl der Parteigliederungen als auch der restlichen Bevölkerung erwartet. Wer fernblieb, musste damit rechnen, dass ihm Argwohn und Misstrauen entgegenschlugen.
Zu den Missliebigen und Verfolgten des NS-Staates zählten u.a. die dargestellten Gruppen: Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, politisch Andersdenkende, Kirchen, ..., Juden (Holocaust).
Neben der aktiven Verfolgung durch das NS-Regime bespitzelten und verrieten sich Bürger gegenseitig. Strafen waren Gefängnis, brutalste Verhöre, Konzentrationslager. Aus Auschwitz, einem der für Juden eingerichteten Vernichtungslager, stammt ein Brief mit der typischen Klausel "Ich bin gesund und es geht mir gut".
Ein besonderes Kapitel stellen die Kriegsgefangenen dar. Einigen erging es trotz Verlust von Heimat und Familie relativ gut, andere wurden zu Tode gequält. Ausgestellt sind Gemälde von Kriegsgefangenen aus dem Parsberger Lazarett. Aus regionaler Sicht werden zum Schicksal der Juden Beispiele der Judenhetze aus Neumarkt, Regensburg und Parsberg gebracht; weiterhin können anhand von Beispielen aus Regensburg und Neumarkt die Reichskristallnacht, die Verhaftung und Verschleppung ins KZ und die Vernichtung jüdischer Mitbürger verfolgt werden. Zweiter Weltkrieg 1939 - 1945 Der Abschnitt der Reichsgeschichte befasst sich mit Hitlers Politik des Überfalls auf Europa, dem restlichen Kriegsverlauf bis hin zur Bilanz des Krieges mit 55.000.000 Toten. Ausgestellt ist u.a. die typische Ausrüstung der Wehrmacht. Im Regionalteil wird die so genannte Heimatfront dargestellt. Die Menschen mussten mit Rationierung und täglicher Kriegs-Propaganda leben. Themen sind: Luftschutz, Lebensmittelversorgung, Hygiene, Kleidung, Flüsterwitze, Haushaltswaren, Wohnraumlenkung, Berichte des Zeitzeugen Friedrich Spörer (Hohenburg) über Volkssturm, Panzersperren, den Durchzug eines Todesmarsches aus dem KZ Flossenbürg und ein Bericht des Zeitzeugen Herbert Mayerhöfer (Parsberg) über den Einmarsch der Amerikaner. Ein sehr anschauliches Kapitel ist die Darstellung des Schicksals von Franz Pflügl. Der Parsberger wurde 1915 geboren, war als Jugendlicher begeisterter Sportler und machte in Regensburg Abitur. Als Angehöriger der Wehrmacht war er 1938 im Sudetenland und im Zweiten Weltkrieg u.a. in Polen, Belgien, Frankreich. Erst im Laufe des Jahres 1944 erkannte er die Sinnlosigkeit des Krieges. Im Februar 1945 starb er in Ungarn.
Den erschütternden Abschluss der Abteilung bildet die schreckliche Bilanz des 2. Weltkrieges: 55.000.000 Tote.
Besuchermeinungen: 05.04.2006 Lothar Schneider, Leverkusen: "Die Ausstellung ist großartig. Sie zeigt mir meine Jugendzeit in vieler Hinsicht noch einmal in rd. einer Stunde. Für Schulklassen ein ideales Museum. Herzlichen Dank!" 24.05.2006 Kindergarten St. Josef, Gruppe Sonnenschein, Parsberg: "Vielen Dank für die tolle Führung durchs Museum. Wir haben viel interessantes und schönes entdecken können. 04.06.2006 Norbert + Franziska Schweiger, Rehling: "Ich war sehr beeindruckt vor dieser wunderbaren Sammlung, die so viele Erinnerungen weckt. Gut, dass jemand diese Kostbarkeiten des Alltags in einer solchen Sammlung zusammenhält." 04.07.2006 Andrea + Uwe Geiler, Schutterwald: "Sehr beeindruckend, was in diesem Museum an Material zusammen getragen wurde. Wir werden wiederkommen, wenn die Erweiterung der Ausstellung eröffnet ist." 01.08.2006 Betriebsausflug der Gemeinde Wiesent: "Wir waren sehr angenehm überrascht über die Reichhaltigkeit des Museums. 02.11.2006 Klaus Dierl, Regensburg: "Ein herzlicher Gruß an meine 'alte' Heimatstadt – verbunden mit einem großen Lob für das mit viel Liebe und Fleiß zu Wege gebrachte Heimatmuseum. Ich habe viele interessante Dinge wiedererkannt." Besuchermeinungen nach der Eröffnung der zeitgeschichtlichen Abteilung am 10.03.2007: 20.03.2007 Prof. Alfred Schickel, Hunsdorf "meint, daß Theodor Döllinger neben dem großen Reichtum des Museums das beste 'Ausstellungsstück' ist!" 20.04.2007 9. Klasse Dr. Nardini-Schule, Parsberg: "Eine gelungene Ausstellung und eine schöne Führung. Danke." 27.04.2007 J. Brockmann, Frankfurt/Main: "Es ist eine großartige Ausstellung, die man sich mehrfach ansehen muß. Danke."
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